Chronik

Im Herbst 1958 kam Herr Johann Vogel aus Bingen nach Egelfingen, um mit jungen Männern eine Musikkapelle zu gründen. Die Idee dazu entsprang kurz vorher einer geselligen Runde, auch im Hinblick auf den erst begonnenen Neubau einer Festhalle in Egelfingen.

 

Es waren weder Instrumente noch Notenmaterial vorhanden. Trotzdem gelang es J. Vogel mit viel Mühe, mit 13 jungen Männern aus Egelfingen und Emerfeld hinter den Kulissen mit Proben zu beginnen. 1960 wurde die Kapelle dem Bund Deutscher Volksmusiker angeschlossen und Hermann Maier zum 1. Vorsitzenden gewählt.

 

Es war für die gesamte Bevölkerung ein großer Augenblick, als die Kapelle an Fronleichnam ihren ersten öffentlichen Auftritt wagte. Mit viel Geduld und Idealismus gelang es bereits 1962, weitere 12 Jungmusikanten aufzunehmen. Im Jahre 1964 nahm die Kapelle erstmals an einem Musikfest in Talheim teil. Weitere Auftritte, sowohl kirchlicher, kultureller als auch vereinseigener Art, folgten.

 

Als eine der ersten Kapellen im gesamten Bezirk wurden 1966 farbenfrohe Trachten angeschafft und dadurch das Erscheinungsbild erheblich verbessert. Bereits 1973 konnten 25 öffentliche Auftritte registriert werden, wobei der Höhepunkt das Geburtstagsständchen bei Ministerpräsident Dr. H. Filbinger in der Villa Reitzenstein in Stuttgart darstellte. Im Jahr 1974 wurde unter Vorstand Manfred Fritz, der bereits 1964 stellvertretender Vorsitzender war und seit 1972 zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde, ein Musikverein gegründet und unter dem Namen „Trachtenkapelle Egelfingen-Emerfeld e.V.“ ins Vereinsregister eingetragen. Ebenfalls 1974 erklärte sich der Aktive Berthold Metzger bereit, einen Dirigentenlehrgang zu besuchen und künftig die Jugendgruppe auszubilden und zu leiten. Die Jungendausbildung wurde seit Jahren sehr groß geschrieben, so dass immer wieder junge Musikanten bei den Aktiven aufgenommen werden konnten.

 

1975 feierte die Kapelle mit der ganzen Gemeinde das 15-jährige Jubiläum mit Heimatfest. Es waren für alle Beteiligten unvergesslich schöne Tage. Der frühere Vorstand Hermann Maier wurde zum Ehrenmitglied ernannt und die noch aktiven Gründungsmitglieder Josef Saup, Johann Widmer, Josef Mauz und Dirigent Johann Vogel vom Verein geehrt. Künftig wurde regelmäßig ein Kreismusikfest mit Wertungs- oder Kritikspiel besucht.

 

Der langjährige Dirigent und Gründer der Kapelle, Johann Vogel, verabschiedetet sich 1980 in den wohlverdienten Ruhestand. Er wurde auf einstimmigen Beschluss zum Ehrendirigenten ernannt. In seinem bisherigen Stellvertreter und Jugendleiter Berthold Metzger wurde ein guter Nachfolger gefunden, so dass dieser schwere Schritt für die Kapelle ohne Schwierigkeiten überwunden wurde. Neben den musikalischen Belangen war die Förderung der Kameradschaft innerhalb des Vereins das erklärte Ziel der jeweiligen Vereinsführungen.

 

Durch das gute Miteinander von jung und alt in der Kapelle wurden im musikalischen Bereich weitere Fortschritte erreicht. Im Mai 1985 erfolgte auf Einladung von Staatssekretär Matthias Kleinert eine viertägige Berlinfahrt mit Auftritten bei der Bundesgartenschau. Ebenso wurde die musikalische Umrahmung einer Benefizveranstaltung in Besigheim zugunsten der Selbsthilfeorganisation „AMSEL“ unter der Schirmherrschaft von Frau Ursula Späth übernommen.

 

Der Entschluss zur Aufnahme einer eigenen Langspielplatte und Musikkassette im Mai 1988 wurde innerhalb kurzer Zeit zu einem großen Erfolg. Höhepunkt des Jahres 1989 war die Teilnahme am Wertungsspiel beim 1. Deutschen Bundesmusikfest in Trier, wobei ein 1. Rang mit Belobigung erspielt wurde. Im Regionalsender bei RT 4 wurde erstmals ein Titel der Kapelle gesendet und bei der „Volkstümlichen Hitparade“ konnte im Dezember 1989 der 1. Platz erreicht werden. Auch bei der Jahreshitparade war der 3. Platz ein großer Erfolg.

 

Das Jubiläumsjahr 1990 brachte mit der Einladung zum 11. Internationalen Österreichischen Blasmusikfest in Wien vom 07. bis 10. Juni 1990 einen weiteren Höhepunkt in der Vereinsgeschichte. Für die Musikanten war der Festumzug mit gleichzeitiger Marschmusikbewertung vor den historischen Gebäuden der Stadt Wien, bei der die Note „sehr gut“ erspielt wurde, ein unvergessliches Erlebnis.

 

Unter dem Motto „30 Jahre Blasmusik“ konnte vom 18. – 20.08.1990 erneut ein Jubiläumsfest unter großer Beteiligung befreundeter Kapellen durchgeführt werden. Als einziges noch aktives Gründungsmitglied durfte Josef Saup eine besondere Ehrung von Vorstand Manfred Fritz entgegennehmen.

 

Im Jahre 1991 konnte ein 2. Tonträger für CD und MC mit dem Titel „So klingt´s bei uns“ aufgenommen werden. In der „Volkstümlichen Hitparade“ bei Radio RT 4 wurde ein Titel daraus Monatssieger im November 1991 und erreichte bei der Jahreshitparade Platz 2. Im selben Jahr startete man zu einer Bonn-Fahrt, um auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Franz Romer im Haus Baden-Württemberg zu spielen.

 

Um den musikalischen Anforderungen auch mit konzertanter Blasmusik gerecht zu werden, hielt die Kapelle auf Wunsch des Dirigenten Berthold Metzger 1992 erstmals ein Probenwochenende in Haslach ab. Seither ist es üblich, dass vor dem Konzert ein solches stattfindet, was sowohl musikalisch, als auch der Kameradschaft zugutekommt.

 

Der Blasmusikverband Baden-Württemberg hat im Jahre 1992 unter anderem auch die Trachtenkapelle Egelfingen-Emerfeld zu der Großveranstaltung „40 Jahre klingendes Baden-Württemberg“ nach Tuttlingen eingeladen, wo am Wertungsspiel und am Festumzug teilgenommen wurde. Erster Höhepunkt im Jahre 1993 war für die aktiven Musikanten eine Einladung zum Karneval nach Paris. Dabei blieben auch die Stadtführungen und Besichtigungen der zahlreichen Sehenswürdigkeiten bei allen in bester Erinnerung. In den hohen Norden, zum 2. Internationalen Musik- und Heimatfest nach Kiel, führte der Jahresausflug 1993. Beim volkstümlichen Abend im Festzelt und beim Festumzug kam die Kapelle mit ihren Weisen bestens beim Publikum an.

 

Schnell war man sich einig, auch 1995 am 2. Deutschen Bundesmusikfest in Münster / Westfalen teilzunehmen. Neben dem Wertungsspiel erhielt die Kapelle aufgrund der großen Resonanz in Trier erneut einen Auftritt im 4000-Personen-Zelt, wo innerhalb kürzester Zeit eine „Bombenstimmung“ herrschte. Dass die Kapelle auch ein Herz für die Mitmenschen hat, bewies sie, indem sie nach 1991 auch 1995 unentgeltlich bei der Veranstaltung für Behinderte des Landkreises Tuttlingen „Aktion Lebenshilfe“ in Gosheim spielte und dabei sehr viel Freude bereitete. Auch wird seit vielen Jahren bei allen „runden“ Geburtstagen ab dem 70., 75., 80., usw. in den Gemeinden Egelfingen, Emerfeld, und Billafingen bei den Jubilaren unentgeltlich ein Geburtstagsständchen gespielt.

 

In all den Jahren zählten die Musikausflüge, die von Vorstand Manfred Fritz und seiner Ehefrau Rita mustergültig vorbereitet wurden, zu den Besonderheiten. So auch 1996 die 2. Fahrt nach Wien und an den Neusiedler See. Kutschenfahrten, Weinprobe, Platzkonzerte, Stadtbesichtigung, Musical-Besuch und vieles mehr standen auf dem Programm.

 

Anlässlich seines 85. Geburtstages am 10.031998 war es eine Ehrensache, dass dem Ehrendirigenten Johann Vogel in Bingen ein Ständchen gespielt wurde. Im selben Jahr fand das Landesmusikfest in Ehingen statt. Beinahe vor der Haustüre war es eine Pflichtaufgabe wiederum teilzunehmen. Beim 25-jährigen Jubiläum des Blasmusik-Kreisverband-Biberach wurde 1999 die Trachtenkapelle ausgewählt, den volkstümlichen Teil der musikalischen Umrahmung zu übernehmen. Aufgrund jahrelanger musikalischer Verbindung und einer gewachsener Freundschaft zum Männergesangverein Cäcilia Wernau, war es eine Selbstverständlichkeit, dass eine größere Abordnung am Abschiedskonzert des langjährigen Chorleiters Gerhard Grupp teilnahm.

 

Am 16. April 2000 verstarb Ehrendirigent und Gründer Johann Vogel im gesegneten Alter von 87 Jahren. Die Trachtenkapelle umrahmte die Trauermesse und begleitete die Trauergäste musikalisch zum Grab. Mit dem Lied vom guten Kameraden verabschiedeten sich viele Musikfreunde aus nah und fern, vor allem auch die älteren Mitglieder der Kapelle, die ihn als Freund und Vorbild erlebt und geschätzt hatten. Für die Vorstandschaft und die gesamte Kapelle war es eine Verpflichtung das Bewährte zu bewahren und die Tradition der Volks- und Blasmusik als sein Erbe in gutem Geist und in seinem Sinn fortzusetzen.

 

Auch das 40-jährige Bestehen wurde vom 19. bis 21. August 2000 mit einem Jubiläumszeltfest gebührend gefeiert. Zahleiche befreundete Kapellen nahmen am Sternmarsch teil und alle Kapellen der Großgemeinde wirkten am Sonntagabend beim Gemeindefestival mit. Vorstand Manfred Fritz erhielt die Ehrennadel des Blasmusikverbandes Baden-Württemberg für besondere Verdienste angeheftet und die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg wurde von Bürgermeister Gebele an Kassier Manfred Baier und Dirigent Berthold Metzger für ihre besonderen Verdienste im Ehrenamt überreicht.

 

Im Oktober 2001 fand die erste Texx-Mexx Party mit DJ´s in Egelfingen statt, die zum festen Bestandteil im Jahresablauf der Kapelle geworden ist.

 

Der 1. Vorsitzende Manfred Fritz hat im Jahr 2002 sein Amt nach 30 Jahren an seinen Nachfolger Martin Metzger abgegeben. Diese 30 Jahre 1. Vorsitzender standen bei ihm für viel Erfahrung, Einbringen von Kraft und Idealismus und vor allem für 30 Jahre hinter der Idee Trachtenkapelle Egelfingen-Emerfeld zu stehen. In Würdigung dieser außergewöhnlichen und beispiellosen Verdienste um die Kapelle wurde Manfred Fritz zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Des Weiteren wurde er mit der CISM Verdienstmedaille des Europäischen Blasmusikverbandes ausgezeichnet. Im selben Jahr hat auch das letzte noch aktive Gründungsmitglied Josef Saup seine aktive Musikerzeit beendet und wurde für seine besonderen Verdienste, unter anderem auch 10 Jahre lang als Kassier des Vereins, zum Ehrenmitglied ernannt.

 

Am 20. Juni 2003 umrahmte die Kapelle den 70. Geburtstag des Ehrenmitglieds Dr. Wilfried Steuer. Aus Anlass dieses Geburtstages gründete er die „Dr. Wilfried Steuer - Stiftung“. Der Ertrag aus dieser Stiftung ist zur Förderung von Kunst und Kultur (Musik), insbesondere für die Unterstützung der Jugendarbeit von Vereinen der Stadt Riedlingen und der Gemeinde Langenenslingen vorgesehen, deren Ehrenbürger er ist. Im Jahr 2003 wurde auch eine erste Jungmusikantenfreizeit durchgeführt, die in Zukunft regelmäßig stattfinden soll.

 

Beim Frühjahrskonzert 2004 stand der zweite Dirigentenwechsel der Vereinsgeschichte an. Nach 24 Jahren übergab Berthold Metzger den Dirigentenstab an seinen Sohn Frank Metzger. Für seine außerordentlichen Verdienste um die Trachtenkapelle Egelfingen-Emerfeld wurde Berthold Metzger zum Ehrendirigenten ernannt. Im selben Jahr ist beim Gartenfest in Egelfingen ein Japanisches Orchester aufgetreten, das sich auf Deutschland-Tournee befand. Dabei wurden auch einige Musikstücke gemeinsam mit der Trachtenkapelle gespielt, was auch ohne vorherige Probe und trotz der Verständigungsschwierigkeiten sehr gut klappte. Da hatte sich das Sprichwort von E.T.A. Hoffmann bewahrheitet: „Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an“.

 

Nach nur 10 Monaten als Dirigent entschloss sich Frank Metzger im Februar 2005 unseren 3. Tonträger mit dem Titel „Glücklich mit Musik“ aufzunehmen. Am 22.04.2005 wurde bei einer Benefizveranstaltung zu Gunsten der „Dr. Wilfried Steuer - Stiftung“ diese CD der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

Im Mai 2007 nahm die Kapelle beim 4. Deutschen Bundesmusikfest in Würzburg teil. Dabei wurde beim Wertungsspiel die Note „sehr gut“ erreicht. Sehr beeindruckend war das gemeinsame Spiel vor der gewaltigen Kulisse der Residenz Würzburg und der anschließende Festzug durch die Altstadt vorbei an mehr als Hunderttausend begeisterten Zuschauern.

 

Bereits zur Tradition in der kleinen Gemeinde Egelfingen wurden die beliebten Fastnachtsbälle, die Gartenfeste am zweiten Augustwochenende, der seit über 50 Jahren veranstaltete Hammellauf am letzten Sonntag im Oktober und die Konzerte. Wobei sich die Kapelle im Jahr 2010 entschlossen hat, anstelle des Konzertes, zwei Wochen vor Ostern einen „Bunten Blasmusikabend“ zu gestalten.

 

Die Trachtenkapelle nahm 2013 am 5. Bundesmusikfest in Chemnitz teil und ging aus dem Wettbewerb im Bereich traditionelle Blasmusik als Sieger hervor. 2014 nahm man erstmals an der Europameisterschaft der böhmischen und mährischen Blasmusik in Ried im Innkreis (Österreich) teil und erreichte im Wettstreit mit Kapellen aus ganz Europa den 2. Platz.

 

 

 

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